Dachstuhlbrand in Wiedensahl

Gebäude schwerst beschädigt / Keine verletzten Personen

Wiedensahl. Nach einem nächtlichen kleinen Heckenbrand in Meerbeck (wir berichteten) ist die Freiwillige Feuerwehr der Samtgemeinde Niedernwöhren erneut zu einem Brandeinsatz am 01.01.2016 gegen 13:09 Uhr gerufen worden. Diesmal stand allerdings ein Wohnhaus an der Hauptstraße Wiedensahls in Flammen.

Im Gebäude befand sich keine Person. Zu Beginn des Einsatzes wurden zwei Trupps im Innenangriff unter schweren Atemschutz eingesetzt. Diese Trupps verließen jedoch das Gebäude schnell wieder, da sich während des Innenangriffs eine Rauchgasdurchzündung ankündigte. Die Durchzündung trat wenig später ein und das Feuer breitete sich von dem hinteren Teil des Dachstuhls auf die ganze Länge des Gebäudes aus. Ab diesem Zeitpunkt war eine Brandbekämpfung nur noch von außen möglich.

Hohe Priorität ordnete die Einsatzleitung dem Schutz des dicht an dem Brandhaus stehende Nachbargebäudes ein. Dazu wurden mehrere Riegelstellungen aufgebaut. Während des gesamten Einsatzes wurde das Nachbargebäude fortwährend von Innen und Außen mit einer Wärmebildkamera auf etwaiges übergegriffenes Feuer kontrolliert. Trotz eines Abstandes, der gerade einmal ein Durchschreiten von Personen erlaubt, konnte ein Übergreifen verhindert werden.

Im Laufe des Einsatzes wurden mehrere B- und C-Rohre, Schaumrohre, C-Hohlstrahlrohre und und der Wasserwerfer der Hubrettungsbühne 32 der Stadtfeuerwehr Stadthagen zur Brandbekämpfung und als Riegelstellung eingesetzt. Die Strahlrohre haben die Standorte während des Einsatzes mehrfach gewechselt, sodass eine genaue Bezifferung der eingesetzten Rohre schwierig ist. Die Besetzung der Hubrettungsbühne deckte dabei Teile des Dachs ab, um effektiver arbeiten zu können. Dabei wurden insgesamt 12 Trupps unter schwerem Atemschutz eingesetzt. Die neun Atemschutztrupps der einzelnen Ortswehren der Samtgemeinde Niedernwöhren wurden schon wenige Minuten nach Beginn des Einsatzes der zentralen Atemschutzüberwachung durch die Ortswehr Nordsehl-Lauenhagen überantwortet.

Da auch drei Unterflurhydranten die Wasserversorgung nicht sicherstellen konnten, wurde zusätzlich eine Wasserversorgung über lange Wegstrecke zu dem etwa in 600 m entfernten, so genannten Dorfteich aufgebaut, wobei der Gerätewagen-Logistik 2 der Stadtfeuerwehr Stadthagen einen bedeutenden Teil der Strecke verlegt hat.

Vor Einbruch der Dämmerung wurde die Einsatzstelle mit zahlreichen Beleuchtungsmitteln rund um das Gebäude ausgeleuchtet, wobei auch die Hubrettungsbühne 32 unterstützte.

Als das Feuer im Wesentlichen bis auf einige vermutete Glutnester im Stroh unter dem Dachboden gelöscht war, begann ein Bagger einer Dienstleistungsgesellschaft mittels eines Abbruch- und Sortiergreifers den Dachstuhl komplett zu entfernen, sodass selbiger Bagger das Stroh vom Dachboden entfernen konnte, damit es in kleinen Haufen auf einer benachbarten Fläche abgelöscht werden konnte.

Gleich zu Beginn des Einsatzes wurde der betreffende Abschnitt der Hauptstraße vollständig gesperrt. Die komplette Sperrung wurde gegen 19:45 Uhr aufgehoben, bis zum Einsetzende blieb eine Straßenseite gesperrt.

Die Verpflegung wurde auch durch die Feuerwehrtheaterfrauen Wiedensahls, eine zur Ortswehr Wiedensahl gehörige Laien-Theatergruppe, die nur aus Frauen besteht, aktiven Feuerwehrfrauen der Ortswehr Wiedensahl, sowie anderen Helferinnen mit Warm- und Kaltgetränken und geschmierten Broten, die später um warme Erbsensuppe eines Schlachtereibetriebes ergänzt wurde, sicher.

Dieser große Einsatz zeigt auch, dass dank der soliden Ausbildung in den einzelnen Ortswehren der Einsatzkräfte im Umgang mit dem digitalen Behördenfunk die vollständige Umstellung des Sprechfunkes in der Samtgemeinde Niedernwöhren am 01.12.2015 (wir berichteten) geglückt ist.

Gegen 18:30 Uhr beendete die Ortswehr Meerbeck-Niedernwöhren als letzte auswärtige Wehr ihren Einsatz, sodass die Ortswehr Wiedensahl die Einsatzleitung übernahm. Um 20:07 Uhr übernahm die Ortswehr Hülshagen die erste Schicht der Brandsicherheitswache. Der Ortswehr Hülshagen gelang es, alle Brandnester bis etwa 02:30 Uhr des nachfolgenden Tages (02.01.2016) mit Schaummittel zu löschen. Gemeinsam mit der Ortswehr Wiedensahl, die um 02:30 Uhr wieder an der Einsatzstelle eintraf, bauten sie alle verbleibenden Feuerwehreinsatzmittel zurück und beendeten den Einsatz gegen 03:40 Uhr. Während des gesamten Einsatzes erlitt keine Person einen körperlichen Schaden. Das Gebäude ist von der Polizei beschlagnahmt worden. Am Morgen des 02.01.2016 brachten die Feuerwehren sämtliche im Einsatz benutzten Schläuche zur Feuerwehrtechnischen Zentrale in Stadthagen und stückten dort die Fahrzeuge wieder mit gereinigten und geprüften Schläuchen auf, reinigten und prüften Fahrzeuge und Geräte und stellten somit die Einsatzbereitschaft wieder her; die Ortswehr Wiedensahl verfügte direkt nach dem Einsatz noch nicht einmal mehr über einen vollständigen Satz an Feuerwehrschläuchen, da auch Reserveschläuche im Einsatz waren.

Im Einsatz waren alle Ortswehren der Samtgemeinde Niedernwöhren: Hülshagen, Meerbeck-Niedernwöhren, Nordsehl-Lauenhagen, Pollhagen, Volksdorf/Kuckshagen und Wiedensahl, sowie die Schwerpunktfeuerwehr der Kreisstadt Stadthagen mit insgesamt 115 Feuerwehrfrauen und -männer, darunter 32 Atemschutzgeräteträger, sowie Rettungsdienst und Polizei.

 

Bilder: Moritz Buhr und Michael Jedamzik. Von M. Jedamzik ist nur das Bild 0375.

Text: Michael Jedamzik