Statt Abendessen Gebäudebrand

 

Montagabend 18 Uhr, die Vorbereitungen für das Abendessen laufen in einem Wohnhaus in Warber auf Hochtouren. Doch plötzlich entzündet sich in der Küche das Fett auf dem Herd. In Panik greift die Hausfrau zu einem Eimer Wasser um den Brand zu löschen, doch genau diese Handlung ist die Falsche. Das Wasser verdampft und schleudert das brennende Fett aus dem Topf und entzündet die gesamte Küche. Binnen weniger Minuten ist die Wohnung im Obergeschoss verraucht und der Fluchtweg für die Bewohner abgeschnitten. Trotz der Rauchmelderpflicht waren in der Wohnung keine lebensrettenden Rauchmelder installiert und so konnte sich der Rauch unbemerkt im ganzen Haus ausbreiten und brachte alle 10 Bewohner in Lebensgefahr.

Dies war die Ausgangslage als um 18:15 Uhr die Digitalen Meldeempfänger Alarm für die Freiwilligen Feuerwehren Bückeburg-Stadt, Meinsen-Warber-Achum und Rusbend schlugen. Was keiner der Einsatzkräfte wusste, es handelte sich um eine Alarmübung, der Rauch stammte aus Nebelmaschinen und die Verletzten sind Übungspuppen und Statisten. Die von den beiden Ortsbrandmeistern der Stützpunktfeuerwehr Meinsen-Warber-Achum ausgearbeitete Übung war bis zur letzten Sekunde geheim gehalten wurden, selbst die eigenen Ehefrauen wussten nichts von der Übung.

Fünf Minuten nach der Alarmierung traf das erste Tanklöschfahrzeug an der Einsatzstelle ein. Für die 3 Feuerwehrmänner hieß es nun Schwerstarbeit: Neben dem verschaffen eines Überblicks über die Lage an der ausgedehnten Einsatzstelle, musste der Löschangriff vorbereitet werden. Im Minutentakt trafen weitere Einsatzfahrzeuge ein, um die Maßnahmen zu unterstützen. Doch genau hier war eine der großen Schwierigkeiten bei der Übung: In der schmalen Sackgasse „Im Sacke“ war nur wenig Platz für die Einsatzfahrzeuge. Ein Teil musste deshalb auf Echtorfer Straße in Bereitstellung gehen. „Wären die ersten Fahrzeuge unkontrolliert in die Straße eingefahren, wäre die Zufahrt für die Drehleiter aus Bückeburg blockiert gewesen“ erklärt Übungsorganisator Thomas Wimmer.

Wie fatal ein solcher Fehler gewesen wäre, zeigte sich als sich ein Bewohner der Dachgeschosswohnung am Fenster bemerkbar machte. Er hatte von der Aufregung gar nichts mitbekommen, war allerdings in seiner Wohnung gefangen. Binnen weniger Augenblick konnte er über die Drehleiter gerettet werden. Auch bei der Rettung der weiteren vermissten aus dem Obergeschoss kam die Drehleiter mittels Krankentragenhalterung zum Einsatz, Dies stellte eine enorme Entlastung der fünf eingesetzten Atemschutztrupps dar. Somit mussten die 4 Personen aus dem ersten Obergeschoss nicht über das enge Treppenhaus gerettet werden, sondern konnten per Lufttaxi über die Drehleiter evakuiert werden.

Der Einsatz der Atemschutzgeräteträger war unterdessen in vollem Gang, 5 Personen im Erdgeschoss und 4 im Obergeschoss mussten in dem vollständig verrauchten Haus gefunden werden. Die Sicht lag bei wenigen Zentimetern, so dass die Feuerwehrleute nur durch Tasten etwas erkennen konnten. Deshalb galt es auch immer den lebensrettenden Schlauch mitzuführen, um immer den Rückweg zu finden. Zeitgleich wurde durch die Atemschutzüberwachung ständig der Luftvorrat in den Flaschen überwacht.

Auf der Echtorfer Straße hatte unterdessen der Einsatzleitwagen Position bezogen. Die ELW-Gruppe der Stadtfeuerwehr dokumentierte alle Funkgespräche und hielt Kontakt zur Leitstelle in diesem Fahrzeug. Außerdem wurde in Zusammenarbeit mit Einsatzleiter Achim Koch die Einsatzstelle in verschiedene Abschnitte aufgeteilt, um sie besser organisieren zu können.

Unterdessen spitzte sich die Lage am Brandhaus zu. Auf der Gebäuderückseite schlugen die Flammen aus dem Fenster, eine Ausbreitung auf das Nachbargebäude drohte. Sofort wurde ein Hydroschild hier eingesetzt, welches eine Wasserwand erzeugt und so das Nachbarhaus abriegelt. Unterdessen wurden zwei große B-Rohre an der Rückseite vorgenommen. 800 Liter Wasser brachten beide Rohre pro Minute auf das Feuer.

Während das erforderliche Löschwasser bisher aus einem Unterflurhydranten in der Straße kam, musste nun zusätzliches Wasser herangeführt werden. Hierzu installierten die Feuerwehrleute eine Tragkraftspritze mit Saugleitungen an der Aue. Hierdurch konnte die große Wassermenge gespeist werden und es standen Reserven für eine mögliche Lageveränderung bereit.

An der Verletztensammelstelle hieß es unterdessen Übersicht bewahren: Wie viele Personen sind evakuiert wurden und welche wurde schon ins Krankenhaus gebracht. „Der Abtransport durch zahlreiche Rettungswagen wäre im Ernstfall in der engen Straße eine enorme Herausforderung“ berichtet Wimmer.

Nach ungefähr einer Stunde waren alle 10 Personen gerettet, der Brand bekämpft und alle Räume noch einmal kontrolliert. Außerdem war ein Lüfter aufgebaut wurden um den Rauch aus dem Gebäude zu blasen. Der Gerätewagen Logistik aus Bückeburg brachte Material an die Einsatzstelle um die Fahrzeuge wieder bestücken zu können.

Da der Alarm die 54 Männer und Frauen der Feuerwehren zur besten Abendbrotszeit traf, gab es im Anschluss an die Übung Bratwürste im Feuerwehrhaus Meinsen-Warber. Bei der Auswertung wurde ein positives Fazit. Es gab kleinere Mängel, welche nun bei der Standortausbildung optimiert werden sollen.

Bei der Übung vor zahlreichen Zuschauern aus Warber, kamen insgesamt 54 Einsatzkräfte mit 12 Fahrzeugen zum Einsatz. Die Vorbereitung, Durchführung und Beobachtung der Übung übernahmen weitere 7 Kameraden.

Trotz des großen Aufwandes waren alle Teilnehmer zufrieden, solch Realitätsnahen Übungen sind wichtig um die für den Ernstfall erforderlichen Handgriffe üben zu können.

Text und Bild: S. Titze, Stadtpressewart Feuerwehr Bückeburg