Kreisfeuerwehrverband Schaumburg

Die Delegierten der Schaumburger Feuerwehren trafen sich am Freitag im Lauenauer Sägewerk zur jährlichen Verbandsversammlung. Vor mehr als 300 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten und Gästen aus Politik und Verwaltung berichteten die Funktionsträger der Kreisfeuerwehr über die Ereignisse des vergangenen Jahres.

Die Feuerwehren stehen in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. In Anbetracht weltweit zunehmender Gefahren durch Unwetter, Tierseuchen oder terroristischen Attacken, benötigen auch die Feuerwehren im ländlichen Raum eine entsprechende Ausstattung. Doch diese lässt für den Landkreis momentan zu wünschen übrig. Durch den Bund zur Verfügung gestellte Fahrzeuge sind abgängig, wie etwa die LF 16 TS aus Beckedorf, Stadthagen und Steinbergen. Die Ersatzbeschaffung durch den Bund dauert mehrere Jahre. „Die Fahrzeugbeschaffung ist daher komplett neu zu konzipieren und vom Bund an die aktuelle Bedrohungslage anzupassen“, so Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote.

Seitens der Kreisfeuerwehr stehen in den kommenden Monaten und Jahren die Beschaffungen verschiedener Fahrzeuge an. Ein Gerätewagen Logistik wurde bereits geliefert. Der Ausbau des Messleitfahrzeuges für die Umweltschutzeinheit steht kurz vor dem Abschluss. In den nächsten Jahren folgen noch ein Tanklöschfahrzeug, ein Gerätewagen Atemschutz und ein Gerätewagen Gefahrgut.

Unumgänglich ist eine Erweiterung der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Stadthagen. Notwendig wird diese durch die immer größer werdenden Fahrzeuge und die nicht mehr ausreichenden Unterrichtskapazitäten. Mit dem Beschluss zum Kauf eines Grundstücks hat der Landkreis Schaumburg nun eine erste Entscheidung getroffen.

3.423 Männer und Frauen gehören aktiv den Feuerwehren im Landkreis Schaumburg an. Obwohl die Mitgliederzahl gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen ist, handelt es sich nur um eine Momentaufnahme. Neben dem Demografischen Wandel führen auch andere Faktoren dazu, dass es immer schwieriger wird, Bürger für den Dienst in der Feuerwehr zu motivieren. Die aktiven Feuerwehrmitglieder rückten im vergangenen Jahr zu 464 Brandeinsätzen, 1.211 Hilfeleistungen und 337 Fehlalarmen aus.

Um den Aufgaben der Zukunft gewachsen zu sein, ist eine gründliche Ausbildung erforderlich. Seitens der Kreisausbildung wurden 2016 insgesamt 29 Lehrgänge in verschiedenen Sparten angeboten. Die Schaumburger Atemschutzgeräteträger führten an 25 Terminen den vorgeschriebenen Leistungsnachweis durch. Auch für dieses Jahr sind wieder zahlreiche Lehrgänge geplant, um die qualifizierte Ausbildung der Feuerwehrleute zu gewährleisten.

Führungslehrgänge werden in der Regel durch das Land an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NABK) durchgeführt. Seit Jahren ist hier jedoch eine nur mangelhafte Lehrgangszuteilung zu beobachten. Die Zuteilungsquote liegt leider nur bei 50 %, wie der stellvertretende Kreisbrandmeister Dirk Hahne berichtete. Um diese prekäre Situation zu entspannen hat die Kreisausbildung erstmalig einen Truppführerlehrgang in Eigenregie ausgerichtet. 2017 wird wieder ein Lehrgang für Truppführer angeboten. Dazu kommen erstmalig zwei Lehrgänge für Technische Hilfeleistung.

Die Technische Einsatzleitung (TEL) des Landkreises besetzt im Einsatzfall zusammen mit dem Fernmeldezug den Einsatzleitwagen der Kreisfeuerwehr. Bei neun Übungsdiensten probten die Feuerwehrleute den Umgang mit der Technik und die stabsmäßige Abarbeitung verschiedener Einsatzlagen.

TEL und Fernmeldezug kommen auch zum Einsatz, wenn eine der beiden Schaumburger Kreisfeuerwehrbereitschaften ausrückt oder eine Übung durchführt. Alarmiert wurden zwei Züge der Bereitschaft Süd zum Großbrand am Hafen Wiehagen. Bei Großübungen probten die Bereitschaften zudem die Zusammenarbeit. Die einzelnen Züge, die sich aus Fahrzeugen und Mannschaften der Schaumburger Feuerwehren zusammensetzen, trainierten im kleinen Rahmen bei verschiedenen Übungsszenarien. Sorgen bereiten die abgängigen Fahrzeuge des Bundes, die natürlich auch den beiden Kreisfeuerwehrbereitschaften fehlen.

Der Leiter des Brandschutzabschnitts Nord, Uwe Blume, berichtete den Anwesenden, dass die Umweltschutzeinheit demnächst auf ein neues Fahrzeug zugreifen kann. Die lang geforderte und erforderliche Messleitkomponente wird den Einsatzdienst demnächst aufnehmen. Die Umweltschutzeinheit rückte in 2016 zu 20 Einsätzen aus. Darunter auch ein mehrere Tage andauernder Einsatz beim Brand einer Lagerhalle im Hafen Wiehagen.

Ein wichtiger Teil der Arbeit in den Feuerwehren ist die Brandschutzerziehung. Nahezu 3.000 Kinder und Erwachsene wurden bei zahlreichen Veranstaltungen in den Bereichen des Brandschutzes unterwiesen. In Anbetracht der demografischen Entwicklung wird künftig die Brandschutzaufklärung bei Senioren immer wichtiger. Das Risiko, durch ein Feuer zu Schaden zu kommen, ist bei Senioren doppelt so hoch wie bei der Durchschnittsbevölkerung. Durch eine entsprechende Aufklärung können die Gefahren für diese Bevölkerungsgruppe reduziert werden. Der Erfolg bei der Brandschutzerziehung von Kindern beweist dieses seit Jahren.

Kreisjugendfeuerwehrwartin Silke Weibels berichtete, dass die Kreisjugendfeuerwehr einen Mitgliederzuwachs von 4 % verzeichnen kann. Zu verdanken sind die Neuzugänge den Kinderfeuerwehren, bei denen der Landkreis Schaumburg ein Vorreiter im Land Niedersachsen ist. 2.100 Jungen und Mädchen engagieren sich in den 89 Jugend- und 64 Kinderfeuerwehren. 85 Jugendliche wechselten im letzten Jahr in die Einsatzabteilungen der Feuerwehren und tragen somit zum Brandschutz in den Städten und Gemeinden Schaumburgs teil.

Zahlreiche Aktionen veranstaltete die Kreisjugendfeuerwehr. Der Kreis-Kinderfeuerwehr-Orientierungsmarsch und der Kreis-Jugendfeuerwehrwettbewerb waren nur zwei der vielfältigen Veranstaltungen. Bei Wettbewerben waren die Schaumburger Jugendfeuerwehren einmal mehr vorne mit dabei. So belegte die Jugendfeuerwehr Möllenbeck beim internationalen Wettbewerb in Rostock einen hervorragenden dritten Platz.

In 2017 steht als Höhepunkt das Kreiszeltlager auf dem Programm. Bei den Jugendfeuerwehren ist die Freude auf dieses alle drei Jahre stattfindende Großereignis bereits riesig.

Der Landrat Jörg Farr überbrachte die Grüße des Landreises und des Kreistages. In 2016 setzte sich die Arbeit der Flüchtlingssbetreuung fort. Ging es zu Anfang noch um die Erstversorgung und Unterbringung, so sind nun alle Kräfte mit der Integration der etwa 3.000 zu uns gekommenen Menschen gefordert. Die Jugendfeuerwehren leisten hierbei einen wichtigen Anteil. Nehmen doch 50 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund an den Aktivitäten der Kinder- und Jugendfeuerwehren teil.

„Das Einsatzgeschehen hat gezeigt, was die Feuerwehren geleistet haben“, so der Landrat. Die Zusammenarbeit bei Einsätzen, wie zuletzt beim Brand in der Stadthagener Altstadt, ist äußerst positiv. Der Einsatz der Hubrettungsfahrzeuge, die von Landkreis bezuschusst wurden, hat sich bewährt. Auch in den kommenden Jahren wird der Landkreis Mittel aus der Feuerschutzsteuer für die Bezuschussung neuer Fahrzeuge in der Kommunen bereitstellen. Landrat Farr dankte den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten und deren Angehörigen für den Einsatz in den Feuerwehren des Landkreises Schaumburg. Seitens des Kreises werde weiterhin alles unternommen, um die Feuerwehren auch künftig zu unterstützen.

Die Gäste aus der Politik dankten den anwesenden Feuerwehrleuten für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Ohne das Engagement der Männer und Frauen in den Feuerwehren seien der Brandschutz und die Hilfeleistung bei Unfällen im Landkreis Schaumburg nicht zu gewährleisten. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge in den Städten und Gemeinden.

Der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Karl-Heinz Banse überbrachte die Grüße der niedersächsischen Feuerwehren. Er schloss sich dem Dank der Politik für die geleistete Arbeit an. Insbesondere dankte er den Kreisfeuerwehrbereitschaften, die bei Hochwassereinsätzen und der Flüchtlingskrise hervorragende Arbeit leisteten. Seitens des Bundes wird darüber nachgedacht, den Zivilschutz künftig besser auszustatten. Auch die Feuerwehren sollen davon profitieren. Für die Schaumburger ist es eine positive Nachricht, dass zahlreiche Fahrzeuge bereits in Auftrag gegeben wurden. Allerdings sind die Hersteller dadurch und durch Bestellungen der Kommunen zurzeit ausgelastet, sodass Bau und Auslieferung noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden.

Positives berichtete Banse auch von der NABK. Der Ausbau der Standorts Scheuen geht voran. Zudem wurden die Kapazitäten bei den Lehrkräften ausgeweitet, sodass eine 100 %ige Zuteilungsquote in den nächsten Jahren erreicht wird.

Mitglieder der Kreisfeuerwehr erhielten eine Beförderung. Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote beförderte Oliver Willert und Stephan Bradtmöller zu Löschmeistern.

Der stellvertretende Bereitschaftsführer der Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd, Andreas Seele, und der Zugführer des 3. Zuges, Reiner Wessling, beide langjährige Führungskräfte, wurden auf eigenen Wunsch aus ihren Ämtern entlassen. Als neuer stellvertretender Bereitschaftsührer wurde durch den Kreisbrandmeister Peter Kipper eingesetzt. Neuer Zugführer des 3. Zuges ist nun Thorsten Lukaszyk. Sein Stellvertreter wird Karsten Lichter.

Mit der Ehrenmedaille des Kreisfeuerwehrverbandes Schaumburg ehrte der Kreisbrandmeister den zuvor verabschiedeten stellvertretenden Bereitschaftsführer Süd, Andreas Seele. Ebenfalls mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet wurden Rainer Wessling und Lena Nerge, Leiterin des Teams Presse der Kreisfeuerwehr.

Die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille erhielt der Bürgermeister der Stadt Bückeburg, Reiner Brombach.

Mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold ehrte der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, Karl-Heinz-Banse, den Stadtbrandmeister der Stadt Stadthagen, Rolf Bruns. Mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze wurden Bernd Entorf, Ralf Bredemeier, Thomas Reichelt, Ernst Agsten, Dirk Sassmann und Björn Held geehrt.

Die nächste Verbandsversammlung findet am 02.03.2018 im Brückentorsaal in Rinteln statt.

Text/Bild: Kreisfeuerwehr Schaumburg, Team Presse