Menschenrettung nach Verpuffung

Ein ohrenbetäubender Knall hallt am Montagabend durch die Straßen Scheies. In einem Silogebäude in der Hauptstraße war es zu einer Verpuffung gekommen. Dichter Rauch steigt aus der Halle auf und Menschen schreien um Hilfe.

Wenige Sekunden später ist die Sirene der Scheier Feuerwehr zu hören, welche parallel zu den Digitalen Meldeempfängern der Wehr mitausgelöst wird. Nicht nur in Scheie auch in den Nachbarorten Bergdorf und Müsingen werden die ehrenamtlichen Einsatzkräfte aus ihrem Feierabend gerissen. Die drei Freiwilligen Feuerwehr bilden den Löschzug Ost der Stadt Bückeburg, welche zu diesem Einsatz anrückten. Was die Einsatzkräfte jedoch nicht wussten war, dass es sich um eine Alarmübung handelt.

„Die Zusammenarbeit der 3 Feuerwehren im Einsatzfall sowie im Atemschutzeinsatz und der Aufbau der Wasserversorgung sollen im Rahmen der Übung getestet werden.“, berichtet der Scheier Ortsbrandmeister Heiko Fernholz, welcher die Übung beobachtete. Alle Schritte der Übung wurden von ihm für die spätere Auswertung notiert.
Als die ersten Einsatzkräfte der Scheier Feuerwehr eintreffen, erhalten sie von einer besorgten Anwohnerin die Information, dass in dem verrauchten Gebäude sich zum Zeitpunkt der Verpuffung 3 Personen aufgehalten haben. Diese wurden seitdem nicht mehr gesehen.

Während sich die ersten Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten ausrüsteten begannen weitere mit dem Aufbau der Wasserversorgung. Als Nachteil erwies sich dabei, dass das Scheier Tragkraftspritzenfahrzeug noch eines der älteren Generation ist, welches keinen Wassertank für den Erstangriff mitführt. Doch Abhilfe ist in Sicht. „Die Beschaffung eines modernen Mittleren Löschfahrzeuges mit Wassertank läuft bereits“ berichtet Fernholz.
Mit der Unterstützung der anrückenden Kräfte aus Bergdorf und Müsingen kann der erste Löschangriff aufgebaut werden. Bereits 15 Minuten nach dem Alarm sind alle 6 Fahrzeuge des Löschzuges Ost mit rund 40 Einsatzkräften vor Ort.

Mehrere Trupps unter Atemschutz rückten in die große Halle vor. Zwar konnten schnell die Hilferufe der 3 Arbeiter gehört werden, der Weg gestaltete sich unter Null-Sicht in der verrauchten Halle schwierig. Maschinen und Fahrzeuge sowie die Siloanlagen behinderten das Vorgehen der Trupps. Immer wieder mussten die Schlauchleitungen nachgezogen werden, weil sie festhingen.

Trotz aller Hindernisse gelingt es mit etwas Verzögerung alle 3 Verletzten aus dem Gebäude zu retten. 5 Trupps unter Atemschutz mussten dafür in die Halle eindringen. Ein Sicherheitstrupp stand vor dem Gebäude zusätzlich in Bereitschaft.

Während die Atemschutzgeräteträger in der Halle vorgehen, ist auch außerhalb viel zu tun. 2 Schlauchleitungen zur Wasserversorgung werden verlegt. Um die Hauptstraße befahrbar zu behalten, werden Schlauchbrücken eingesetzt, über die die Autofahrer die Schläuche überfahren können.

Außerdem stehen Feuerwehrleute bereit um die Verletzten in Empfang zu nehmen und zur Verletztensammelstelle zu bringen. Hier versorgen Feuerwehrleute die Verletzten, da der Rettungsdienst in dieser Übung nicht zur Verfügung steht. „Im Ernstfall würden Feuerwehrleute hier dem Rettungsdienst ebenfalls zur Hand gehen“, erklärt Einsatzleiter Michal Bschor.

Zur Koordinierung des Einsatzes hatte sich im erst kürzlich in Dienst gestellten Mannschaftstransportfahrzeug der Bergdorfer Wehr eine Einsatzleitung unter Leitung von Michal Bschor gebildet. Das Fahrzeug wurde entsprechend ausgerüstet, um bei Einsätzen des Löschzuges Ost die Koordinierung zu übernehmen. Bei größeren Einsatzlagen käme dann der Einsatzleitwagen aus Bückeburg dazu und würde diese Rolle übernehmen.

Nach etwas über einer Stunde war die Übung beendet und alle Verletzten an der Sammelstelle versorgt. Auch der Kleinbrand, welcher durch die Verpuffung entstanden war, war liquidiert.

Nachdem die Einsatzbereitschaft wiederhergestellt wurde, gab es im Feuerwehrhaus Scheie eine kurze Auswertung. Die Übung hat im gesamten gut geklappt. „Im Bereich der Führung- und Kommunikation haben wir einige Defizite festgestellt, die es nun zu optimieren gilt“ berichtet Heiko Fernholz im Anschluss. Dies stelle jedoch kein Problem dar, denn genau dafür wurde die Übung auch durchgeführt: Es sollten Schwachstellen aufgedeckt werden, um sie nun verbessern zu können.

Auch von den Teilnehmern gab es großes Interesse an der Alarmübung. „Übungen in diesem Rahmen sollten regelmäßig auch mit anderen Feuerwehren und Organisationen durchgeführt werden.“ War der einheitliche Tenor.

Text/Bilder: S. Titze, Stadtpressewart Feuerwehr Bückeburg